02.03.2017 Ein Kommentar zur geplanten Beitragserhöhung des DCV ab 2018

 

Zum Ausdrucken: 2017-02-03 Kommentar zur DCV Beitragserhoehung

 

02.03.2017

Ein Kommentar zur geplanten Beitragserhöhung seitens des DCV ab 01.01.2018

Die ausführliche Begründung des DCV für die Beitragserhöhung veranlasst zur Kritik.

Sicher, man sollte nicht nur das Geld sehen, sondern auch die Vorteile eines Dachverbandes. Darum zum Schluss auch ein Blick darauf. Zunächst aber ist für alle Chöre die finanzielle Seite ausschlaggebend. Drum dieser wichtige Aspekt zuerst.

Unsere Überprüfung des Beitrags an den DCV zeigt, dass eine Beitragserhöhung in der vom DCV geforderten Größenordnung aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt ist, da wir nicht alle Angebote nutzen.

Der DCV will sich zum Fachverband wandeln und mit professionellen Projekten für die DCV-GmbH Geld verdienen. Man hat den Eindruck, dass den DCV der ehrenamtliche Bereich nicht (mehr) interessiert. Anders formuliert: der DCV entfernt sich immer weiter von der Basis und der ehrenamtlichen gemeinnützigen Arbeit für das Singen, wie er sie in seinem „Kulturprogramm“ von 1997 formulierte. Für den DCV ist das ehrenamtliche Singen kein Geschäftsmodell, mit dem sich Geld verdienen lässt, doch die Chöre und deren Mitglieder sind sichere Geldgeber, nach dem Motto, die Erhöhung von … € / Jahr  sind ja nur … Cent im Monat …

Wir sind mit unseren Chören und Kreischorverbänden in Sorge um die interessenseinseitigen Einstellungen des DCV nur zu seinen Gunsten. Dafür gibt es Beispiele: (Abwälzung der Reisekosten auf die Landesverbände. Ablehnung von Kostenübernahme für von uns für den DCV durchgeführte Leistungen, Porti, und Arbeitsleistung ( Antrag vom DCV abgelehnt) im Gesamtvolumen von mehr als 6.000 € = 0,20 € pro Mitglied als indirekte Beitragserhöhung durch Leistungseinsparung des DCV).

Was macht der DCV mit den Mehreinnahmen, die ja vom ehrenamtlichen Bereich kommend, dorthin zurückfließen müssten?! Darüber gibt es keine belastbare Aussage.

Kursiv = Einfügung nach dem 4.3.2017: Der DCV spricht  in seinen medialen Aussagen immer von 700.000 aktiven Mitgliedern. In Berlin mussten die Länder-Delegierten am 4.3.2017 erfahren, dass das „Werbung“ sei, in Wirklichkeit aber Augenwischerei ist, die nicht zur Glaubwürdigkeit beiträgt. Die angeblich richtigen Zahlen des DCV sind: ca. 450.000 aktive Mitglieder plus ca. 80.000 in Kinder- und Jugendchören.

Wenn es dem DCV gelingt, seine enorme Beitragsmehrforderung durchzusetzen, zerreißt er die deutsche Chorlandschaft in Chöre und Verbände, die willig zahlen (weil sie es können) und solche, die weder willens noch imstande sind, solche massiven Beitragserhöhungen zu zahlen. Der DCV hat sich von der Basis entfernt und ist in unseren Augen nicht mehr der ansonsten sinnvolle, ehrenamtliche Dachverband.

Die Folge, nur wenige Beispiele: Chöre, die parallel im kirchlichen Cäcilienverband sind, würden bei Erhöhung taggleich austreten. (bei uns um die 100 Chöre, das liegt schriftlich vor). Diese Chöre sind nur aus regionaler Verbundenheit in unserer Struktur  und brauchen unsere Leistungen / die des DCV nicht. Die Chöre auf dem Lande werden immer weniger und kleiner. Der Anteil des Einzelnen an der Finanzierung des Chorleiters / der Bezahlung der Noten mit Mindestkaufmenge 20 Stück wird immer größer. Man benötigt das Geld selber vor Ort und ist nicht gewillt, DCV-Projekte, die für eine Minderheit interessant sind, an denen die Mehrheit keinen wirklichen Nutzen hat, weiter zu finanzieren. Berlin ist zwar laut eigener Werbeaussage „ein Dorf“, aber das Leben auf dem Lande ist anders. Hier kämpfen in den ländlichen Chören die Mitglieder (die wirtschaftlich in sehr großer Zahl von der Landwirtschaft abhängen) um jeden Cent Milchgeld und da kommt der DCV und will kassieren. Versteht der DCV überhaupt, welche Emotionen er damit losgeschlagen hat? Des Weiteren:

Die Angebote des DCV können von der Mehrheit der im Alter 80+Chöre überhaupt nicht genutzt werden. Das aber sind die Mehrheit aller Chöre und die (Noch-) Basis des Deutschen Chorverbandes. Versuchen Sie mal, einem 75-80 jährigen den Chorhelfer-Lehrgang oder eine sonstige Fortbildung anzubieten. Das heißt, die Angebote des Verbandes gehen am Bedarf der allermeisten Chöre vorbei. Dann ist es doch mehr als verständlich, wenn die Frage „Was haben wir vom Deutschen Chorverband?“ nicht totzukriegen ist.

Chöre, die den Beitrag nicht zahlen können, haben eine falsche Beitragsstruktur und müssen sich sowieso  früher oder später auflösen.  Dieses Argument ist sachlich nachvollziehbar aber unmoralisch. Denn jeder Chor soll so lange singen wie er kann. Die Beitragserhöhung aber beschleunigt das Chorsterben. Die Chöre wollen singen und nicht den DCV auf ewig finanziell absichern. Man hat den Eindruck der Selbstbedienung des DCV bei den Chören. Wenn der DCV behauptet, Dienstleister zu sein, fragen wir uns, für wen? Für die Chöre, Kreischorverbände und Landesverbände jedenfalls scheinbar nicht!

Die Zeitschrift „Chorzeit“ wird bei uns rundweg abgelehnt. Die Verpflichtung zur Zwangsabnahme – und dann auch noch von gleich zwei Exemplaren – ist seit Jahrzehnten ein richtiger Stachel, der die Grundstimmung der allermeisten Chöre gegen den DCV gerichtet sein lässt. Die geplante Erhöhung seitens des DCV, zusätzlich und gerade im Sockelbetrag hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht.

 

Das wäre wünschenswert:

  • Strikte rechtliche, wirtschaftliche und räumliche Trennung des ehrenamtlichen DCV und der DCV-GmbH.
  • Im ehrenamtlichen Bereich nur 1 Geschäftsführer und nur das wirklich erforderliche Maß an qualifizierten Mitarbeitern. Das lässt sich durch Anforderungsprofile und Stellenbeschreibungen ermitteln. Dadurch erhebliche Einsparungen bei Miete und Personalkosten.
  • Kaufmännische Buchführung nach GOB (GOSB) mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und entsprechenden Auswertungen. Z.B. Eine Miet-Cloudlösung spart Investitionen, bewahrt die Liquidität bei relativ geringen aber kalkulierbaren Kosten. Testat externer, unabhängiger Wirtschaftsprüfer, die auf Verbandstagen das Rechnungswesen verständlich erläutern.
  • Statt OVERSO, das bisher schon Hunderttausende gekostet hat, ebenfalls eine Cloud-Lösung. OVERSO ist überfrachtet mit unwichtigen (teils nicht funktionierenden) Bausteinen, die wir nicht brauchen oder zu denen wir keinen Zugang haben, für die wir aber bezahlen sollen.
  • Flexible Beitragsgestaltung (ermittelt werden muss der für den ehrenamtlichen Bereich notwendige Beitragsteil für die wirklich notwendige Verbandsführung. Darüber hinaus nur flexible monatliche Abrechnung der in Anspruch genommenen tatsächlichen Leistungen. Dies muss nachvollziehbar belegt und elektronisch überprüfbar sein.
  • Das Versäumnis einer kontinuierlichen Beitragsanpassung zeigt seine negativen Auswirkungen. Änderungsvorschlag: Nach geplanter und von der Mitgliederversammlung genehmigter Bedarfsermittlung und daraus abgeleiteter betragsgestufter Beitragsanpassung (durch eine Beitragsfindungskommission alle zwei Jahre ermittelt), wäre eine Beitragsänderung glaubwürdiger und durchsetzungsfähiger.
  • Der DCV muss damit rechnen, dass die Chöre die Beitragserhöhung über „angepasste“ Meldungen in OVERSO wieder „ausgleichen“. Die vom DCV erhofften Mehreinnahmen sind netto in der gedachten Höhe unrealistisch.
  • Ersatzloser Wegfall der diktatorischen Zwangsverpflichtung zur Abnahme zweier Exemplare „Chorzeit“, die die absolute Mehrheit unserer Chöre nicht haben wollen und deren Kosten zu extremen Emotionen führen. Damit verbunden der ersatzlose Wegfall des Sockelbeitrages. Lediglich im freien Abo wären interessierte Mitglieder bereit, „Chorzeit“ ab zu nehmen.
  • Es verwundert, dass als Bruttoverkaufspreis auf „Chorzeit“ 3,80 € aufgedruckt sind, da der DCV in der Begründung zur Beitragserhöhung aufführt, dass die Zeitschrift Herstellungs- und Vertriebskosten von 5,50 € verursacht. Ein Verkauf unter Herstellungskosten kann als vorübergehender Einstieg zur Marktplatzierung denkbar sein. Es ist aber völlig unakzeptabel, dass für die betriebswirtschaftlich unrentable Schrift (= „Projekt“ der wirtschaftlich orientierten DCV-GmbH) der ehrenamtliche Bereich auf Dauer die Unterdeckung des Projektes „Chorzeit“ der DCV-GmbH zwangsweise finanzieren muss. Die Zeitschrift scheint alleine nicht marktfähig zu sein und könnte Kooperation mit einer zugkräftigeren Zeitschrift eingehen. „Chorzeit“ ist das Paradebeispiel für die Zwangsausübung des DCV gegen den Willen der Chöre.
  • Die Carusos. Das musikalische Konzept ist sicher gut. Das organisatorische Konzept geht an den Landesverbänden, Kreischorverbänden und Chören vorbei. Das ist nicht neu, geändert hat sich aber bisher nichts. Die Tatsache, dass wir in unserem Verbandsbereich seit 2012 bis heute ganze10 Carusos-Fachberater und 10 zertifizierte Kindergärten haben, kann von den „Die Carusos“-Verantwortlichen nicht als Erfolg hingestellt werden. „Die Carusos“ ist ein Bundesprojekt. Es ist beschämend, wieviel Terrain wir gegenüber „Felix“ an externe Mitbewerber verloren haben. Dass wir als Landesverband CVNB da nach Wegen suchen, die Zukunft unserer Chöre analog zu „Felix“ in Zusammenarbeit vor Ort und auf Augenhöhe wieder zu stärken, ist die logische Konsequenz und strikte Notwendigkeit. Statt sich zu freuen, dass wir durch Vielfalt zum Erreichen gemeinsamer Interessen beitragen (jeder Autohersteller hat je nach Bedarf der Kunden verschiedene Modellangebote), möchte der DCV dies verhindern.
  • Ein Verhalten in der Zusammenarbeit, dass man nicht immer als partnerschaftlich bezeichnen kann. Wenn wir was wollen, wird nur abgelehnt oder gar nicht geantwortet. Wenn der DCV was will, …
  • Die Existenzberechtigung des DCV ist abhängig von dessen Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit bezogen auf Satzung und Kulturprogramm. Die Existenzberechtigung des DCV ist abhängig von dessen ausgeglichener, flexibler Anpassung an die Bedürfnisse derer, deren Beitragsgeld er haben will. Nur dann lässt sich Vertrauen aufrecht erhalten.

 

Ein Blick auf nicht-finanzielle Aspekte

Ein Dachverband wird dann akzeptiert und finanziert, wenn er mehr Materielles und Immaterielles schafft, als die Summe der einzelnen Mitglieder es vermögen. Dass der DCV dies realisiert, steht zur Diskussion.

Vernetzung von Kultur zu Politik im Allgemeinen und nach Berlin im Besonderen. Eine sehr gute Sache. Aber Gesetze und kulturelle Errungenschaften gelten nicht nur für den DCV. Wenn politisch etwas erreicht wird, gilt es für alle. Außerdem: Kulturarbeit ist Landessache.

Spiegelt das wirkliche Verhalten des DCV das eigene „Kulturprogramm“ (Stand 1997)?

Es hat den Eindruck, als habe sich der DCV durch seine genannten wirtschaftlich-professionellen Projekte vom ehrenamtlichen Dachverband schwerpunktmäßig gelöst. Der Einfluss von nicht Ehrenamtlern auf das Präsidium des DCV lässt darauf schließen.

Großveranstaltungen wie chor.com, Deutsches Chorfest u.a. können nachweislich auch von Nicht-Mitgliedern genutzt werden. Die Mitgliedschaft im DCV ist dafür nicht zwingend.

Versicherungen können auch mit dem jeweils individuell gewünschten Deckungsgrad von Landesverbänden abgeschlossen werden.

GEMA. Deutschlandweit für die meisten der wichtigste Grund. Für uns nicht, da wir einen eigenen GEMA-Vertrag haben.

Die Mitgliedschaft des DCV in der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände“ (ADC) wurde aufgegeben, da der DCV u.a. seinen Einflusswunsch nicht durchsetzen konnte?

Die Beantragung der Zelterplakette kann nicht von der Mitgliedschaft im DCV abhängig gemacht werden.

Ehrungen: Sicher ist es schön „vom obersten nationalen Dachverband“ Urkunde / Nadel zu erhalten. Aber rechtfertigt das alternativlos den hohen Preis der Mitgliedschaft im DCV?

Die Öffnung für andere Organisationen als Mitgliedsverbände im DCV im Ausgleich zum Mitgliederschwund im ehrenamtlichen Bereich: Welche konkreten materiellen Vorteile sollen externe Verbände erkennen, dem DCV beizutreten? Ist es nicht Wunschdenken?

Möge es nicht Wunschdenken bleiben, dass der DCV Dienstleister, Partner, Interessenvertreter seiner Landesverbände mit ihren Unterstrukturen ist und dies sicherer, günstiger und besser bewerkstelligt, als seine Mitglieder einzeln oder in Gesamtheit; denn nur dazu wird er benötigt.

 

Ausblick: Mögen die Verantwortlichen einen DCV formen, der

von Mitgliedern als Dachverband akzeptiert wird und ihnen mehr Vorteile als Nachteile bringt und der von Externen (auch Jüngeren) als Partner und Leistungsträger der Kulturarbeit anerkannt wird.

Soweit vor der Länderversammlung 3.-4.3.2017.

 

Das Ergebnis der Länderversammlung 3.-4.3.2017 ermutigt mich nicht dazu, weiter an den DCV als einen sinnvollen Dachverband zu glauben.

Ein weiterer Aspekt:

Das geplante Chorzentrum in Berlin. Hier scheint es aktuell wieder so zu sein, dass der DCV in der Millionen-Kredithaftung ist. Da die Landeschorverbände Mitglieder im DCV sind, muss jeder Landesverband von einer anteiligen Mithaftung ausgehen. Die dazu erforderlichen Finanzmittel können wir nicht aufbringen. Das erfordert dementsprechende Konsequenzen.

Wir sind von den Delegierten – das sind unsere Kreischorvorstände als Vertreter der Chöre – auf dem Chorverbandstag gewählt worden und nur diesen verpflichtet (§ 11 unserer Satzung). Danach haben wir alles zu tun, um Schaden von unserem Chorverband Niedersachsen-Bremen fern zu halten. Entsprechend empfehle ich ein Entscheidungsverhalten.

Ferdinand Emmrich.