14.-17.09.2017 chor.com in Dortmund

 

chor.com 2017 – Erlebnisbericht: Horst Hinze

Zum vierten Mal veranstaltete der Deutsche Chorverband in Dortmund die chor.com, DEN Branchentreff und Fachkongress, an dem erneut mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilnahmen.

Ich war zum zweiten Mal dabei. Und nachdem ich beim letzten Mal an einem zeitlich sehr einbindenden Intensivkurs teilgenommen hatte, sollte es diesmal ein buntes, vielfältiges Programm für mich sein. Davon möchte ich nun hier berichten:

Los gings am Donnerstag nachmittag mit dem Kurs „Körpersprache und Chordirigieren intensiv“ bei der Berlinerin Sabine Wüsthoff. Hier wurde der Frage nachgegangen, wie sich die Körpersprache des Dirigenten auswirkt auf den Klang, die Intonation und die Präzision eines Chores. Nach einigen Tuttiübungen hatten auch Teilnehmer Gelegenheit, sich auszuprobieren.

Danach gab es viel zu lachen, denn der englische Komponist und Chorleiter Douglas Coombes erwies sich in seinem Workshop  „57 Rehearsal Strategies For Use With Amateur Choires“ als wahre Stimmungskanone! Coombes erläuterte den zahlreichen Teilnehmern auf humorvolle Art, wie man Stimmbildung und Probenarbeit so erledigen kann, dass sie dem Chor Spaß machen. Ein Kracher!

Abends gab es dann in der Marien- und Reinoldikirche zwei überaus erlesene Chorkonzerte zu hören: Zunächst sang der Dresdner Kammerchor unter Hans-Christoph Rademann Chormusik von Heinrich Schütz, danach das Chorwerk Ruhr unter Florian Helgath alte und zeitgenössische Musik. Weltklasse!

Am zweiten Tag wollte ich dann die berühmten Leiter der beiden obigen Chöre bei der Arbeit beobachten und war als Zuhörer bei den Meisterkursen der beiden im Orchesterzentrum. Helgath präsentierte sich dabei als sehr zugewandt und nahbar, Rademann etwas distinguiert und distanziert. Beide aber natürlich genial in ihrer Arbeit. Sehr interessant und lehrreich!

Eine chor.com ohne Universalgenie Oliver Gies (Maybebop) geht gar nicht. Und so fuhr ich anschließend wieder in die Westfalenhalle, um an seinem Workshop „Stilkunde im Chor – worauf kommt es an“ teilzunehmen. Beim Eintreffen wurde man gleich mit der Information empfangen: Stühle braucht ihr nicht! Und so war es dann auch: Völlig aus dem Stegreif entwickelte Oliver Gies in Zusammenarbeit mit den Teilnehmern ad-hoc-Stücke zu Stilen wie Pop, Rock, Latin und mehr! Wie immer: genial!

Abends wieder zwei Konzerte: Zunächst im Jazzclub Domicil der absolut begeisternde Auftritt von Pop Up (Musikhochschule Detmold) unter der charismatischen Anne Kohler, danach „Power of Nature“ mit dem Jugendchor Hochtaunus, der mit wunderschönen Stimmen und ebensolcher Musik bezauberte.

Der dritte Tag begann mit „Techniken zur Erarbeitung anspruchsvoller Chormusik“  und ging weiter mit „Stimmfit – Methoden der chorischen Stimmbildung“, charismatisch und sehr interessant dargeboten vom Präsidenten der Kölner Musikhochschule, Rainer Schuhenn.

Und schließlich wollte ich endlich auch einmal bei der Complete Vocal Technique hereinschnuppern, einem nicht mehr ganz neuen, aber sehr interessanten Konzept zur Klangarbeit im Chor. Die beiden Dozenten hatten Entertainerqualitäten und es gab viel interessantes zu lernen!

Abends gönnte ich mir dann den Jazzchor Freiburg unter Bertrand Gröger. Wie immer atemberaubend!

Und schon war der letzte Tag angebrochen, an dem nur noch ein Kurs mit Erik Sohn auf dem Programm stand: Was  Singen im Popchor ausmacht.  Schließlich galt es ja auch immer mal wieder, in den Pausen die umfangreiche Messe mit vielen Ausstellern (Verlage, Organisationen, usw.) zu erkunden.

So sind die vier tollen Tage in Dortmund mal wieder viel zu schnell vergangen! Mein Kopf ist angefüllt mit vielen neuen Anregungen, Eindrücken und Ideen, die mich in meiner musikalischen Arbeit begleiten und weiterbringen werden. Viele Denkanstöße sind gelegt, denn es ist wichtig, die eigene Arbeit immer wieder zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. Auch dafür ist die chor.com wichtig! Etwas ganz besonderes sind natürlich immer wieder die wundervollen hochklassigen Konzerte.

Dem Deutschen Chorverband kann nur gratuliert werden, zu diesem großartigen Konzept chor.com! Innovativ, visionär, qualitätsbewusst – so ist die chor.com und so wünsche ich mir das Chorwesen!

Ich freue mich schon auf die nächste chor.com 2019 – dieses Mal wohl in Hannover!

Horst Hinze, Kreischorleiter KCV Gifhorn.

 

 

Monika Sander schrieb:

CHOR.com vom 14. bis 17.09.2017 in Dortmund

Und ich war dabei!  Vor vielen Jahren habe ich in Würzburg an einem Chorleiterkongress teilgenommen und wusste daher, dass das nicht nur eine Veranstaltung für besondere Chorleiter, besonderer Chöre ist, sondern jeder teilnehmen kann und sollte. Aus beruflichen Gründen hat sich das zu Zeiten der  chor.com bisher nicht verwirklichen lassen. Aber jetzt.

Ich war überrascht, wie viele junge engagierte Chorleiter dabei waren. Natürlich nahm der POP-Bereich einen großen Teil der Workshops ein. Ich habe mich auf Themen wie „Silberklang: Ein Leben lang“ oder die „Schönheit der faltigen Stimme“ eingelassen. Besonders der letzt genannte Workshop war ein absolutes Highlight. In unseren doch etwas in die Jahre gekommenen Chören geht noch viel, wenn man Phantasie und Ideen einsetzt.

Der beispielhaft vorgeführte Chor hat mich stark berührt und würde bestimmt viele jüngere Sänger animieren sofort mitzumachen. Aber das Eintrittsalter beträgt 70 Jahre.

Die Workshops „Singen auf den ersten Blick-Hören ab dem ersten Ton“ und „Von den Noten zu den Tönen (chorische Stimmbildung)“ haben mir weitergeholfen, einen schon länger geplanten Workshop für „Notenlehre für Chorsänger“ anzuschieben.

Die anwesenden Verlage, Anbieter für Chorzubehör, Software haben viel Informationsmaterial zur Verfügung gestellt und viele Anregungen gegeben.

98 Workshops, 31 Reading Sessions, viele Vorträge, 35 Konzerte und viele kleinere öffentliche Darbietungen zum Mitmachen waren ein riesiges Angebot, dass man wirklich nur teilweise besuchen konnte. Aber die Angebote waren sehr weit gestaffelt und jeder konnte sich ein Angebot für seine Anforderungen zusammen stellen.

Ich habe auf  eigene Kosten und aus eigenem Antrieb an der chor.com teilgenommen. Die Teilnahmegebühren, Hotel- und Fahrtkosten und der Zeitaufwand von 4 Tagen sind für viele Chorleiter nicht tragbar. Wichtig wäre eine Information an alle Chöre und Kreis-Chorverbände, dass ihre Chorleiter durch die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen motiviert und mit neuen Erkenntnissen nach Hause kommen. Vielleicht kann ein kleiner Zuschuss helfen, dass beim nächsten Mal mehr Chorleiter aus unserem Chorverband teilnehmen.

Fragen beantworte ich gern.

Monikasander54@t-online.de

Monika Sander, Chorleiterin im KCV Harburg-Winsen