Künstlersozialversicherung (KSV)

Künstlersozialversicherung (KSV), Sitz Wilhelmshaven

Die Künstlersozialversicherung (KSV) ist Teil der gesetzlichen Sozialversicherung. Sie ermöglicht freischaffenden Künstlern und Publizisten Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, wobei sie lediglich die Arbeitnehmerbeiträge zahlen.
Für die Versicherungsveranlagung und die Beitragserhebung ist die Künstlersozialkasse zuständig: als eine unselbstständige, jedoch haushalts- und vermögensmäßig gesonderte Einrichtung – eine besondere, in die Unfallkasse des Bundes eingegliederte Abteilung. Sitz der Künstlersozialkasse und der Unfallkasse des Bundes ist Wilhelmshaven. Seit Mitte 2007 ist auch die Deutsche Rentenversicherung für die Prüfung der rechtzeitigen und vollständigen Entrichtung der Künstlersozialabgabe zuständig.
Mit der Künstlersozialversicherung sind seit 1983 die selbständigen Künstler und Publizisten in den Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung einbezogen worden. Es gilt hier die Besonderheit, dass Künstler und Publizisten nur etwa die Hälfte ihrer Beiträge selbst tragen müssen und damit ähnlich günstig gestellt sind wie Arbeitnehmer. Die andere Beitragshälfte wird durch einen Bundeszuschuss und eine Abgabe der Unternehmen finanziert, die künstlerische und publizistische Leistungen verwerten.

Ausnahmen:
Nebenberufliche Künstler, die ihr überwiegendes Einkommen aus einer anderweitigen Haupttätigkeit beziehen, sind ausgenommen. (z.B. nebenberufliche Chorleiter). Die Künstlersozialversicherung nimmt keine Kunsthandwerker auf, auch wenn sie zweifellos eine gewisse gestalterische Leistung erbringen, etwa Goldschmiede oder Instrumentenbauer.
Abgabesatz zur Künstlersozialversicherung steigt 2014 an
Der Abgabesatz zur Künstlersozialversicherung beträgt ab 2014 5,2 %. Zuständig ist dafür das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).  Weiterführende Informationen finden Sie auf der Internetseite des BMAS (www.bmas.de) in der Rubrik „Soziale Sicherheit“ (Stichwort: „Künstlersozialversicherung“).Die Veröffentlichung der Künstlersozialabgabe-Verordnung 2014 erfolgte im BGBl. I 2013, Nr. 57, Seite 3618

Das Ziel der KSV ist die Förderung und finanzielle Versorgung freischaffender Künstler. Künstlerische Betätigung hat grundsätzlich Künstler-Sozialversicherungsabgabepflicht zur Folge.

Faustregel zum recht komplexen Berechnungssystem: Die KSV wird zu Lasten des Veranstalters in Höhe ab 2014 von 5,2 % (vorher 4,1 %) des Honorars fällig, wenn mehr als 3 Auftritte mit hauptberuflichen oder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zum Veranstalter stehenden Künstlerinnen oder Künstlern, egal welcher Kunstrichtung, pro Jahr durchgeführt werden. Ist also der Chor Veranstalter, muss er im vorgenannten Fall die Künstlerzozialabgabe an die Künstler-Sozialversicherung zahlen.

Die KSV würde auch gerne die Laienchor-Chorleiterinnen und –Chorleiter mit der Künstler-Sozialversicherungsabgabe belegen und versucht dies in unregelmäßigen Aktionen auch immer wieder. Andererseits würde die KSV, bezogen auf die ehrenamtlich gegen Aufwandsentschädigung arbeitenden Chorleiterinnen und Chorleiter in unseren Laienchören, eine erhebliche Belastung bedeuten. Hier finden immer wieder Gespräche seitens des Niedersächsischen und Bremischen Landesmusikrates in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Chorverband (DCV) und dem Chorverband Niedersachsen-Bremen mit der KSV stattt. Argumentation des DCV, CVNB und des Landesmusikrates: die Chorleiterinnen und Chorleiter unserer Laienchöre sind bereits durch ihren Hauptberuf sozialversichert. Die KSV argumentiert: dieser Personenkreis sollte besonderes Verständnis für die Notwendigkeit der KSV haben und die „künstlerischen Kollegen“ unterstützen, die nicht zahlen können bzw. die auf die Unterstützung seitens der KSV angewiesen sind.

Der Staat hat die bisherige Förderung der KSV von früher 30 % über 25 % auf 20 % gekürzt.
Daher das verstärkte Ansinnen der KSV, andere Geldquellen aufzutun.
Empfehlungen an die Chöre:

1. Machen Sie mehr als 3 Auftritte im Jahr mit hauptberuflichen oder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zum Veranstalter stehenden Künstlerinnen oder Künstlern, egal welcher Kunstrichtung, so ist der Veranstalter künstlersozialabgabepflichtig.
2. Trifft Punkt 1 nicht zu, dann bezüglich der Künstlersozialversicherung (KSV) nichts „freiwillig“ unternehmen. Werden Sie von der KSV angeschrieben / angesprochen, machen Sie bitte auf keinen Fall Zusagen, tätigen Sie auf keinen Fall Zahlungen. Antworten Sie maximal mit dem Satz: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben Ihr Schreiben vom TT.MM.JJJJ an unseren Landeschorverband weiter geleitet. Mit freundlichen Grüßen.“ Schreiben Sie auf keinen Fall mehr.

2. Kopien des vollständigen Briefwechsels geben Sie unverzüglich über Ihren Kreischorverband / Sängerbund (an diesen zur Kenntnis und) zur weiteren Bearbeitung an den Chorverband Niedersachsen – Bremen e. V. (CVNB), Postfach 10 65 20 in 28065 Bremen, Telefon 0421 32 36 99 oder E-Mail: info@cvnb.de
So erfährt der Chorverband Niedersachsen-Bremen (CVNB) von der Häufigkeit und den Orten, wo die KSV sich engagiert. Der CVNB macht dem Deutschen Chorverband (DCV) Mitteilung darüber. Im § 24 Abs 2 des Künstlersozialabgabegesetzes heißt es, Zitat:

„(2) Zur Künstlersozialabgabe sind ferner Unternehmer verpflichtet, die nicht nur gelegentlich Aufträge anselbständige Künstler oder Publizisten erteilen, um deren Werke oder Leistungen für Zwecke ihres Unternehmenszu nutzen, wenn im Zusammenhang mit dieser Nutzung Einnahmen erzielt werden sollen. Werden in einemKalenderjahr nicht mehr als drei Veranstaltungen durchgeführt, in denen künstlerische oder publizistische Werkeoder Leistungen aufgeführt oder dargeboten werden, liegt eine nur gelegentliche Erteilung von Aufträgen im Sinne des Satzes 1 vor. Satz 1 gilt nicht für Musikvereine, soweit für sie Chorleiter oder Dirigenten regelmäßigtätig sind.“ Zitat Ende.

Das gleiche gilt für Juroren bei Chorwettbewerben.

3. Jeder Chor soll mit seinem Chorleiter einen Chorleitervertrag abschließen (siehe CVNB Handbuch für das Chormanagement). Darin muss festgehalten werden, dass der Chorleiter weder Angestellter des Chores ist, noch in finanzieller Abhängigkeit zum Chor steht. Denn abhängige Beschäftigung zieht sofortige Pflicht zur KSV nach sich. Verträge des Chores mit seinem Chorleiter auf 400-€-Basis unterliegen der steuerrechtlichen Regelung der „geringfügigen Beschäftigung“ mit den entsprechenden Nebenkosten und Meldepflichten.

4. Aufwandsentschädigungsvertrag mit dem Chorleiter bis zur derzeit steuerunschädlichen Höhe von 2.400 € / Jahr abschließen (eventuell in Kombination mit dem Chorleitervertrag).

Dieses Thema ist auch Bestandteil des Seminars „Versicherungen“, siehe Chormanagement-Seminare von Ferdinand Emmrich.