Aufwandsentschädigung und Ehrenamtspauschale

Aufwandsentschädigung (Erstattung des Sachaufwandes)

Echte Aufwandsentschädigungen sind ein Ersatz für tatsächlich und in nachgewiesener Höhe (Belege) angefallene Aufwendungen. Auf den Ersatz solcher Kosten hat derjenige, dem sie entstanden sind und der sie für erforderlich halten durfte, einen Rechtsanspruch (§ 670 BGB). Echte Aufwandsentschädigungen sind in voller Höhe steuerfrei. Aufwandsentschädigung ist also Erstattung / Bezahlung der per Belegen nachgewiesenen Kosten, die jemand für den Verein für dessen satzungsgemäße Aufgaben vorverauslagt hat.

Aufwandsspende

Bei einer Aufwandsspende verzichtet ein ehrenamtlich Tätiger auf einen Anspruch auf Aufwendungsersatz. Dies kommt einer Geldspende gleich, da für eine die Steuerlast mindernde Spende kein Geldfluss erforderlich ist. In der Spendenquittung muss aber vermerkt sein, dass es sich um den Verzicht auf Aufwendungsersatz handelt. Ist das der Fall, so greift § 10 b EStG, nach dem Spenden an gemeinnützige Körperschaften steuermindernd wirken.

Ehrenamtliche Tätigkeit: Eine Bezahlung erhält man für eine ehrenamtliche Tätigkeit nicht. Denn die Tatsache, dass man ohne Entgelt arbeitet, ist gerade ein Kennzeichen eines Ehrenamtes. Aber: Zur Stärkung des Ehrenamtes hat der Gesetzgeber (als Ausnahme) die „Ehrenamtspauschale“ für Vorstandsmitglieder in gemeinnützigen Vereinen geschaffen:

Vereine, die keinen aktuellen Körperschaftsteuerfreistellungsbescheid (= Anerkennung der Gemeinnützigkeit) vom Finanzamt haben, können die nachfolgend beschriebene Ehrenamtspauschale nicht in Anspruch nehmen.

 

Ehrenamtspauschale für Vorstandsmitglieder für besonderen Zeit- und Arbeitsaufwand – nur im gemeinnützigen Verein – bis zu 720 € im Jahr steuerfrei

Gem. § 3 Nr. 26 a EStG gibt es einen Steuerfreibetrag von 720 Euro im Jahr, wenn es sich um Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit handelt, die im gemeinnützigen, kirchlichen oder mildtätigen Bereich liegt. Es handelt sich hierbei um eine Pauschale für Zeit- und/oder Arbeits-Aufwendungen, die mit dem satzungsgemäßen Ehrenamt verbunden sind. Von dieser Regelung können etwa Vereinsvorsitzende, Kassenwarte  oder andere Personen, die in einem gemeinnützigen Verein laufend tätig sind, profitieren. Den Gesetzeswortlaut finden Sie z.B. unter http://www.vereinsbesteuerung.info/frameestg.htm

Schließen Sie mit allen Ehrenamtlichen (Vorstandsmitgliedern) eine schriftliche Vereinbarung über ihre Tätigkeit im Bereich des § 3 Nr. 26a EStG! Achtung: Verzichten Sie niemals auf diese Vereinbarung und schließen Sie sie grundsätzlich mit allen Ehrenamtlichen ab, die in den Genuss der Ehrenamtspauschale kommen sollen, egal, ob es sich um eine längerfristige Mitarbeit als Vorstandsmitglied oder um eine kurzfristige Aushilfstätigkeit (z. B. als Helfer beim Tag der offenen Tür) handelt. Denn nur mit einer solchen Vereinbarung ist Ihr Verein auf der sicheren Seite und Sie können dem Finanzamt gegenüber steuerlich geförderte Engagements mit den dazugehörigen Zahlungen exakt nachweisen.

Die Ehrenamtspauschale ist keine Aufwandsentschädigung. Zahlungen aus der Vereinskasse für Zeit- und Arbeitsaufwand  von Vorstandsmitgliedern sind im steuerlichen Sinne tatsächlich Vergütungen. Diese Vergütungen heißen „Ehrenamtspauschale“. Voraussetzung: In der Satzung des gemeinnützigen Vereins steht, dass eine solche Vergütung an bestimmte Funktionsträger gezahlt werden kann. (Zwingende Voraussetzung: Es muss von der Mitgliederversammlung vorher beschlossen worden sein (Tagesordnung, Mehrheit, Protokoll) und in der Satzung geregelt sein, dass eine Vergütung gezahlt werden kann. Und die Zahlungen müssen vom verfügbaren Geldvolumen her bezahlbar sein, ohne den satzungsgemäßen Zweck des Vereins zu gefährden.) Wird eine höhere Vergütung gezahlt, so ist der über 720 Euro hinausgehende Teil vom Geldempfänger voll steuerpflichtig bei seiner Einkommensteuererklärung anzugeben. Beispiel: ein Vorstandsmitglied ist in mehreren Vereinen im Vorstand. Die Freigrenze von 720 € gilt nur insgesamt. Die übersteigenden Beträge muss der Geldempfänger bei der Steuererklärung mit angegeben werden.

Die Ehrenamtspauschale steht aber nicht neben anderen Steuerbefreiungen. So kann etwa die Steuerbefreiung von Reisekosten daneben nicht zusätzlich geltend gemacht werden. Wohl aber kann die Übungsleiterpauschale (siehe weiter unten) neben der Ehrenamtspauschale geltend gemacht werden, selbst dann, wenn die Tätigkeiten in demselben Verein stattgefunden haben. Es muss sich dann aber um zwei verschiedene, voneinander abgrenzbare Tätigkeiten handeln.

Die Ehrenamtspauschale kommt für alle Tätigkeiten von Personen im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich in Betracht, die die Voraussetzungen für den Übungsleiter-Freibetrag von 2.400 EUR nur deshalb nicht erfüllen, weil sie keine pädagogisch ausgerichtete Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer ausüben.

 

Und das sagt das Finanzamt zur Ehrenamtspauschale als Vergütung an Vorstandsmitglieder:

Zahlt der Verein die sog. „Ehrenamtpauschale“ oder sonst eine Vergütung an Vorstandsmitglieder, ist dies nur bei Angemessenheit und einer zivilrechtlich wirksamen Vereinbarung mit dem Grundsatz der Selbstlosigkeit zu vereinbaren. Da nach dem gesetzlichen Regelstatut des Bürgerlichen Gesetzbuches ein Mitglied des Vorstands nur einen Anspruch auf Auslagenersatz (Aufwandsentschädigung) hat, bedarf die Zahlung einer Vergütung, also eines über den Auslagenersatz hinaus gehenden Betrags, einer ausdrücklichen Grundlage in der Satzung des Vereins. Zivilrechtlich unwirksam wäre also ein bloßer Beschluss des Vorstandes, dass einzelne Mitglieder des Vorstandes oder alle Vorstandsmitglieder eine Tätigkeitsvergütung erhalten. Auf dieser Grundlage geleistete Zahlungen wären mit dem Grundsatz der Selbstlosigkeit nicht zu vereinbaren. Vergütungen für Vorstandsmitglieder müssen also in der Satzung des gemeinnützigen Vereines geregelt werden.

Die Tatsache, dass eine Ehrenamtspauschale im gemeinnützigen Verein gezahlt werden kann, ist ein attraktiver Vorteil des gemeinnützigen Vereins gegenüber dem nicht-gemeinnützigen Verein. Die Ehrenamtspauschale ist ein gutes Argument für die Bereitschaft eines Mitglieds, Vorstandsarbeit mit zu tragen. Wir können daher allen Vereinen nur empfehlen, die Gemeinnützigkeit bei ihrem zuständigen Finanzamt zu beantragen. Weitere Vorteile der Gemeinnützigkeit erfahren Sie in unserem gleichnamigen Fortbildungsseminar für Vereinsvorstände, siehe Chormanagement-Seminare.

 

Übungsleiterpauschale für Chorleiterinnen und Chorleiter

Die Übungsleiterpauschale, z.B. für Chorleiterinnen und Chorleiter: Sie hat nichts mit der Ehrenamtspauschale zu tun. Bei der Übungsleiterpauschale beträgt die aktuelle steuerfreie Freigrenze 2.400,00 € im Jahr (§ 3 Nrn. 26 und 26a EStG). Von der Übungsleiterpauschale profitieren Nebenberufler (z.B. Chorleiter)

  • als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder einer vergleichbare Tätigkeit,
  • in einer künstlerische Tätigkeit, und
  • in der Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen.

 

Zusammengestellt von Ferdinand Emmrich.