Neue Mitglieder durch Chorkursus

Jörg Händel, Chorleiter in Delmenhorst, schreibt über seine Idee:

 

wir haben im Chor, wie alle anderen auch, das Problem mit dem Nachwuchs.

Pro Jahr waren immer so etwa 4 bis 5 Probierer da, aber die meisten kamen nach ein paar Proben nicht wieder, warum auch immer. Das brachte mich (als ehemaliger Tauchlehrer) auf die Idee einen Anfängerkurs für das Chorsingen anzubieten.

Die Resonanz haute mich um: 39 Anmeldungen in einer Stadt von 80 000 Einwohnern innerhalb von zwei Wochen. Ich habe den Kurs dann so aufgebaut, dass die Teilnehmer sich hinterher auch frei für andere Chöre entscheiden konnten.

Da ich meine Noten selbst arrangiere, kann ich sehr einfach auf passendes Material zurückgreifen.

Am Anfang habe ich gefragt, warum sich alle für den Kurs angemeldet haben und der einhellige Tenor war, dass sich alle nicht getraut haben oder es schon mal probiert hatten und sich dabei nicht wohl oder sogar überfordert fühlten. In so einem Kurs würden sie sich dann besser vorbereitet fühlen und kämen besser klar.

Im Laufe der 10 Wochen stiegen dann 18 Leute, dankbar dafür es locker ausprobiert haben zu können, wieder aus. Von den restlichen 21 gingen 5 in andere Chöre und 16 kamen zu mir in den Chor. Das war vor 4 Wochen. Wir haben allen bis Ende Mai die freie Entscheidung gelassen, einzutreten. Aber 8 sind jetzt schon offiziell  eingetreten.

Ich denke, es ist vielleicht interessant für alle Chöre, die neue Mitglieder suchen, es auch so zu versuchen. Deshalb habe ich mein Konzept dazu ins Reine geschrieben und stelle es Dir zur Verfügung zur Verbreitung, wenn Du es gut findest.

Wenn jemand die Noten bräuchte, soll er sich bei mir melden und ich schicke sie als PDF zu.
Im Anhang ist das Konzept auch im PDF-Format.

Viele Grüße

 Jörg Händel

a.j.haendel@t-online.de

14.-16.06.2019 Tag der Niedersachsen in Wilhelmshaven

Der „Tag der Niedersachsen“ wird alle zwei Jahre in einer anderen Niedersächsischen Stadt durchgeführt, diesesmal in Wilhelmshaven.

Zwei Chöre vertreten den Chorverband Niedersachsen-Bremen musikalisch. Mehr Chöre wurden aus Zeitgründen nicht zugelassen, da weitere Aktivitäten auf der gemeinsamen Bühne von Radio ffn und Landesmusikrat durchgeführt werden.

Dafür soll mit  allen anwesenden Sänger*innen aus Niedersachsen der größte plattdeutsche Chor beim Tag der Niedersachsen in Wilhelmshaven gebildet werden.

Gemeinsam mit dem Landesmusikrat, dem Trachtenverband, den Heidjer Dörpsmuskanten und Ludger Abeln vom NDR wollen wir am 15.6.2019 um 14.30 Uhr an der Bühne 6 den größten plattdeutschen Chor in Wilhelmshaven zum Klingen bringen. Wir wollen mit dieser Aktion Lust auf die plattdeutsche Sprache und Lust am Singen in der Gemeinschaft fördern.  

Presseartikel:

Die dort zu singenden Lieder:

 

Der Chorverband Niedersachsen-Bremen steht für Sie im Zelt des Landesmusikrates als Gesprächspartner zur Verfügung.

 

Was ist gut für die Singstimme?

12.03.2017, den Beitrag sandte uns Winfried Aubreville, KCV Emsland Grafschaft-Bentheim:

 

Schal, Schweigen, Schokolade: Musikermediziner über die beste Vorbereitung vor Proben oder Konzert
Von Elke Schröder

Milch oder Co­la trin­ken vor ei­ner Ge­sangs­pro­be oder ei­nem Kon­zert­auf­tritt? Stimm­ärz­te ra­ten da­von eher ab. Je­doch gibt es selbst un­ter Pro­fi­sän­gern Aus­nah­men, sagt Pro­fes­sor Bern­hard Rich­ter, Lei­ter des Frei­bur­ger In­sti­tuts für Mu­sik­er­me­di­zin, im In­ter­view.

Ist es rich­tig, dass Scho­ko­la­de oder an­de­re Milch­pro­duk­te für Sän­ger vor den Ge­sangs­pro­ben oder ei­nem Kon­zert­auf­tritt ta­bu sind, weil sie die Stim­me be­le­gen, rau klin­gen las­sen oder zum Hus­ten an­re­gen kön­nen?

Das stimmt und stimmt nicht. Grund­sätz­lich kön­nen be­stimm­te Le­bens­mit­tel, wie bei­spiels­wei­se die Scho­ko­la­de, ei­nes­teils mehr zu ei­ner Ver­schlei­mung im Hals­be­reich füh­ren, an­der­ent­eils zu ei­ner über­mä­ßi­gen Ma­gen­säu­re­pro­duk­ti­on an­re­gen, die sau­res Auf­sto­ßen zur Fol­ge hat. Bei­des ist für die Stim­me nicht gut. Es gibt aber kei­ne Re­gel oh­ne Aus­nah­me: Es gibt durch­aus pro­fes­sio­nel­le Sän­ger, die vor dem Auf­tritt ein Glas Milch oder ein Glas Co­la oder Ähn­li­ches trin­ken. Al­so al­les, was man nor­mal­er­wei­se als Stimm­arzt gar nicht emp­feh­len wür­de.

Was ra­ten Sie al­so?

Man soll­te vor dem Sin­gen nichts zu sich neh­men, des­sen Wir­kung man nicht kennt. Das heißt, wenn man mit be­stimm­ten Flüs­sig­kei­ten oder Nah­rungs­mit­teln gu­te Er­fah­run­gen ge­macht hat und weiß, dass sie ei­nem gut­tun, dann kann man sie durch­aus zu sich neh­men. Na­tür­lich kann ich als Stimm­arzt nicht sa­gen: „Es­sen Sie vor­her bit­te Scho­ko­la­de, und trin­ken Sie Milch.“ Denn in den meis­ten Fäl­len wird das nicht funk­tio­nie­ren, aber im in­di­vi­du­el­len Fall kann das pas­sie­ren – und es gibt nichts, was ver­bo­ten ist.

Trifft das auch für Al­ko­hol und Zi­ga­ret­ten zu?

Die al­ler­meis­ten Sän­ger mei­den Al­ko­hol vor dem Auf­tritt. Wir wis­sen aber von Opern­sän­ger En­ri­co Ca­ru­so, dass er durch­aus nicht viel, aber re­gel­mä­ßig Al­ko­hol vor dem Auf­tritt ge­trun­ken hat. Von Diet­rich Fi­scher-Dies­kau war be­kannt, dass er so­gar wäh­rend des Auf­tritts, so­fern es das Pro­gramm zu­ließ, die Büh­ne ver­ließ und rauch­te. Je­der Sän­ger wür­de da die Hän­de über den Kopf schla­gen und je­der Stimm­arzt sa­gen: „Das ist das Schlimm­ste, was man tun kann.“ Es geht aber im­mer da­rum, was dem Sän­ger in­di­vi­du­ell ei­ne Sta­bi­li­tät im psy­chi­schen und phy­sio­lo­gi­schen Sek­tor ver­leiht, die ihn da­bei un­ter­stützt, sei­ne Leis­tung op­ti­mal ab­zu­ru­fen.

Sän­ger, die vor dem Kon­zert zu Scho­ko­la­de grei­fen, um ei­nen En­er­gie­schub zu be­kom­men, spü­len die­se Mund und Ra­chen mit Was­ser nach?

Nicht un­be­dingt, denn sie ver­spre­chen sich da­von et­was Be­kann­tes, dass ir­gend­was pas­siert, das ih­nen an­ge­nehm ist. Das ist auch das Ge­heim­nis ei­nes Ta­lis­mans: Wenn je­mand ein Ri­tu­al hat, dann be­ru­higt ihn das. Es kann sehr ver­schie­den und manch­mal pa­ra­dox sein, was Men­schen als Ri­tu­al gut fin­den – trotz­dem kann das funk­tio­nie­ren.

Was tut der Sings­tim­me all­ge­mein vor dem Auf­tritt gut? Kräu­ter­bon­bons?

Kräu­ter­bon­bons sol­len da­zu füh­ren, dass die Be­feuch­tung im Mund- und Ra­chen­raum bes­ser ist, in­dem der Spei­chel­fluss an­ge­regt wird. Wenn ich aber zu we­nig trin­ke, noch da­zu auf­ge­regt bin, nützt das be­ste Kräu­ter­bon­bon nichts. Al­so: Wich­ti­ger als Kräu­ter­bon­bons ist die aus­rei­chen­de Trink­men­ge, bei­spiels­wei­se ein bis zwei Was­ser­glä­ser vor Pro­ben oder Auf­trit­ten und in den Pau­sen.

Hilft es, die Stim­me zu scho­nen und am Tag des Kon­zerts zu schwei­gen?

Es gibt man­che Sän­ger, haupt­säch­lich im klas­si­schen Sek­tor, für die die Stimm­pro­duk­ti­on im Be­reich des Sin­gens re­la­tiv gut funk­tio­niert, aber beim Spre­chen nicht so gut. De­ren Sprech­stim­me ist deut­lich schlech­ter als die Sings­tim­me, was sie beim Spre­chen eher er­mü­det. Be­kann­tes­tes Bei­spiel ist Chris­ta Lud­wig, die da­rü­ber in ih­rer Au­to­bio­gra­fie ge­schrie­ben hat. Sie kom­mu­ni­zier­te ta­ge­lang vor ih­ren Kon­zer­ten nur noch mit Zet­teln mit ih­rer Fa­mi­lie. Sie hat­te re­la­tiv stark re­zi­di­vie­ren­de Kehl­kopf­pro­ble­me, ins­be­son­de­re mit Blu­tun­gen auf den Stimm­lip­pen. Das heißt, sie hat­te na­tür­lich auch im­mer Angst da­vor. Das ist der psy­cho­lo­gi­sche Fak­tor, denn wenn ich mehr­fach et­was ge­habt ha­be, ver­su­che ich al­les zu ver­mei­den, was even­tu­ell wie­der ein­tre­ten könn­te.

Wie sieht es mit dem Tra­gen ei­nes Schals um den Hals aus?

Na­tür­lich ist es so, dass sich Sän­ger vor Er­käl­tungs­krank­hei­ten schüt­zen soll­ten. Wenn es drau­ßen kalt ist und win­det, ist der Schal im­mer ei­ne gu­te An­ge­le­gen­heit. Aber im Hoch­som­mer ei­nen Sei­den­schal zu tra­gen ist dann eher ri­tua­li­siert. Das muss man ge­nau un­ter­schei­den.

Wie wird die Stim­me nach wo­chen­lan­ger Hei­ser­keit wie­der fit?

Hei­ser­keit ist kei­ne Krank­heit, son­dern ein Sym­ptom. Es kann sehr vie­le Ur­sa­chen ha­ben, bei­spiels­wei­se Über­la­stung – und dann soll­te man die Über­la­stung stop­pen. Nach ei­ner nor­ma­len Be­la­stung, bei­spiels­wei­se ein durch­ge­fei­er­tes Wo­che­nen­de mit ent­spre­chen­den al­ko­ho­li­schen Ge­trän­ken, lau­ter Mu­sik und Ge­brüll – oder auch ein Chor­wo­che­nen­de –, er­holt sich die Stim­me meist von al­lei­ne in­ner­halb von drei bis vier Ta­gen. Wenn die Hei­ser­keit län­ger als zwei bis drei Wo­chen auf un­ge­klär­te Wei­se an­hält, dann muss man auf je­den Fall ei­nen Arzt auf­su­chen – un­ab­hän­gig von der Ur­sa­che.

Wenn ein Lai­en­sän­ger nach ei­nem Chor­wo­che­nen­de hei­ser ist, was hat er falsch ge­macht?

Dann hat er sich meis­tens nicht gut ge­nug vor­be­rei­tet. Beim Chor­sin­gen hört man sich auch nicht so gut, wie al­lein im stil­len Käm­mer­lein. Das heißt, dass man sich um­schau­en soll­te, ob man sei­ne Stim­me nicht bes­ser schult, Ge­sangs­un­ter­richt nimmt oder sich auf die Si­tua­ti­on bes­ser ein­stellt, bei­spiels­wei­se durch Stimm­bil­dung oder Ge­sangs­un­ter­richt. Häu­fig ist es so, dass Lai­en­sän­ger, die sonst we­nig sin­gen, an ei­nem Chor­wo­che­nen­de es in er­ster Li­nie mit ei­ner hö­he­ren zeit­li­chen An­for­de­rung zu tun ha­ben, gar nicht mit Lauts­tär­ke. Es hilft ei­ne klu­ge Pro­ben­pla­nung mit Pau­sen vom Chor­lei­ter. Pro­fes­sio­nel­le Sän­ger kön­nen meh­re­re Stun­den am Tag sin­gen und pro­ben. Grund­sätz­lich ist der Mensch als Spe­zi­es in der La­ge, stun­den­lang zu spre­chen und zu sin­gen, oh­ne hei­ser zu wer­den. Das kön­nen klei­ne Kin­der ja auch: Ein Säug­ling kann drei Stun­den am Tag schrei­en und wird nicht hei­ser. Der Mensch ist al­so da­zu in der La­ge, je­doch ist es ei­ne Fra­ge des Trai­nings.

Bern­hard Rich­ter, Jahr­gang 1962, ist Pro­fes­sor für Mu­sik­er­me­di­zin, HNO-Arzt und Pho­nia­ter (Stimm­arzt). Da­rü­ber hin­aus ist er ausge­bil­de­ter Sän­ger und Au­tor des Buchs „Die Stim­me“ (Hen­schel Ver­lag, 2014).