Datenschutz: Fotos, Pressetexte, Youtube & Co ab 25.05.2018

 

Bisher galt die Zustimmung zur Veröffentlichung eines Fotos als gegeben, wenn niemand dem widersprach (passive Zustimmung). Ab 25.05.2018 ist die aktive Zustimmung Pflicht: jede dargestellte Person muss (im Idealfalle schriftlich) eingestimmt haben, bei Kindern / Jugendlichen ein Erziehungsberechtigter. Sie benötigen die Einwilligung der zu fotografierenden Personen zur Verwendung, Veröffentlichung, Weitergabe, Speicherung des / der Fotos. Fehlt die Zustimmung, dann müssen Sie auf das Foto verzichten.

Generell ist zu unterscheiden: handelt es sich um ein gestelltes Foto im Familien-, Freundes-, Vereinskreis (selbstgemacht oder durch einen bestellten Fotografen), ist die ausschließlich private Verwendung in diesem „geschlossenen“ Kreis in Ordnung. Dazu gehören Einzel- wie Gruppenfotos für die Historie des Familien- / Vereinsalbums (Feier, Tanz, Freizeit, bei der Arbeit usw.). Das sind gewollte Fotos, dem die Betreffenden uneingeschränkt zustimmen. Wer nicht auf dem Foto sein möchte, darf und kann bei Seite treten.

Dient  das  Foto der gewollten Öffentlichkeitsarbeit / Präsentation einer Gruppe oder zeigt es die Gruppe in vereinstypischer Art (z.B. Chorauftritt), steht damit nicht die einzelne Person im Blickpunkt, sondern eben diese Gruppe / der Chor. Solche Fotos sind in Ordnung: z.B. ein Reporter macht mehrere Fotos vom Chorauftritt, von denen eines in die Zeitung kommt. Ein vorbeigehender Zuschauer bleibt beim Open-Air-Konzert eine Weile vor der Bühne stehen, fotografiert den Chor und geht weiter. Der Zuschauer kann den Chor nicht unterbrechen, um dessen Erlaubnis einzuholen.  Als Mitglied im Chor muss man damit rechnen, dass der Chor während des Auftrittes fotografiert wird und man mit auf dem Gruppenbild ist. Exkurs: denken Sie an packende (Zweikampf-) Szenen im Sport oder an erhebende Augenblicke im Kunst- und Kulturleben.  Hier geht es bei dem inneren Charakter des Fotos um die Darstellung des öffentlichen Ereignisses als solches und eben nicht um die Darstellung der einzelnen Person privat.

Personen in öffentlicher oder amtlicher Funktion in einer öffentlichen Veranstaltung können fotografiert werden, wollen dies in aller Regel sogar als Werbung für sich haben. Beispiele: Bürgermeister / Pastor / Politiker beim Grußwort zum Chorfest. Künstler, Solisten in Aktion.  Wenn im Hintergrund andere Personen deutlich erkennbar zu sehen sind, die man nicht fragen kann / die man nicht kennt / die Momente später im Publikum „verschwunden“ sind, gilt:

Liegt der Schwerpunkt der Darstellung eindeutig auf dem Geschehen mit öffentlichem Charakter im Vordergrund, die Person(en) im Hintergrund sind „unvermeidbar“ auf dem Foto mit drauf, so kann das Foto verwendet werden, wenn die Privatperson(en) nicht ehrenrührig abgebildet ist /sind.

Bestehen irgendwelche Zweifel, muss man auf das Foto verzichten.

 

Ist das Foto dergestalt, dass man die Person(en) im Hintergrund eindeutig als „unvermeidbare Kulisse“ bezeichnen könnte (man kann die Menschen im Hintergrund des Bildes nicht einfach wegschicken) und der Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf dem Redner / dem Chor / der öffentlichen oder amtlichen Person, ist das Foto verwendbar. Hilfreich kann die Bildbearbeitung am PC sein, um einen Bildausschnitt zu machen. Ist die Sache nicht eindeutig, sollten Sie auf das Foto verzichten.

Fotos von den gleichen Personen z.B. beim Essen, am Strand, beim Stadtbummel,  beim Feiern, allgemein gesagt: im Privatbereich, sind nicht erlaubt (Papparazzifotos).

 

Was ist zu tun?

Generell: In der Einladung zur Veranstaltung eine Rückantwortmöglichkeit vorsehen, ob  die Person(en) mit eventuellen Fotos und / oder Texterwähnung einverstanden sind.

Ist es eine Veranstaltung ohne schriftliche Einladung (z.B. Spontankonzert auf dem Marktplatz) muss zu Beginn der Veranstaltung darauf hingewiesen werden, dass Fotos gemacht werden, auf denen Zuschauer zu sehen sein können. Hier steht nicht der einzelne bestimmbare Zuschauer im Mittelpunkt des Geschehens, sondern die Zuschauer bilden die Kulisse oder sie müssen bei Seite treten. Es darf keine einzelne Privatperson das Bild prägen (z.B. durch heranzoomen).

Chorkonzerte werden oft plakatiert, Eintritt für jedermann, ohne Voranmeldung. In der Begrüßungsansprache sollte gesagt werden, ob der Chor während des Auftritts fotografiert werden darf (mit / ohne Blitzlicht = Störfaktor). Steht der auftretende Chor alleine auf der Bühne, dem Orgelboden  oder im Altarraum einer Kirche, ist die Sache unkritisch. Auf Fotos, die Zuschauer darstellen, sollte gänzlich verzichtet werden.

KITAMUSICA Kindergartengruppe beim Auftritt: In der Begrüßung zu Beginn der Veranstaltung (besser noch vorher in der Einladung zur Veranstaltung) generell darauf hinweisen, dass beabsichtigt ist, Fotos für die KITA-Chronik und / oder die Presse, den Chor zu machen. Die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten je Kind muss vorliegen, sonst darf kein Foto von dem betreffenden Kind gemacht werden. Idealerweise eine Liste auslegen. Zumindest als Aktennotiz protokollieren. Und nur dann Fotos machen, wenn dies im vorgesehenen Rahmen und zur vereinbarter Zeit  erfolgt.

KITAMUSICA Kindergartengruppe beim Spielen, Essen usw.: hier ist die Fotoverwendung nicht erlaubt.

 

Lizenzfotos 

Bildnachweis bei der Verwendung von nicht selbst-gemachten Fotos, Grafiken: diese korrekt lizensieren und kennzeichnen. Achten Sie darauf, wofür ein Bild verwendet werden darf und achten Sie auf den korrekten Bildquellennachweis. Bei gekauften Bildern die Lizenzbedingungen prüfen (Bilddatenbanken Pixabay oder Pexels bieten CCO-Lizenzen an mit Verwendung ohne Urheberangaben.) Erstellt jemand anderes für Sie Fotos, achten Sie darauf, dass Sie die kompletten Nutzungsrechte erwerben.

„Lizenzfrei“ bei kostenpflichtigen Bilddatenbanken bedeutet, dass man nur einmal dafür zahlen muss und dann die Datei immer wieder verwenden darf. Häufig wird „lizenzfrei“ missverständlich mit „kostenfrei“ verbunden. Das ist nicht der Fall.

 

Beweisfotos

Fotos, die eine besondere Situation für jurististische, versicherungsgemäße, medizinische oder andere als übergeordnet wichtig angesehene Verwendung darstellen, dürfen ausschließlich für diesen Zweck gemacht werden. Die Verwendung ist auf einen sehr eng begrenzten Personenkreis mit zweckgebundenem Handlungsrahmen begrenzt. Beispiel: Fotos von Unfall nur für den Beweisfall, nicht für die Sensationsdarstellung. Eine allgemeine Veröffentlichung ist absolut unzulässig.

 

Fotos der Vergangenheit

Müssen „alte“ Bilder von der Homepage entfernt werden? Oftmals sind es Fotos aus der Historie. Einige darauf abgebildete Personen  leben vielleicht schon gar nicht mehr. Nachkommen, die man um Erlaubnis zur Veröffentlichung  – z.B. in der Vereinschronik zum Jubiläum –  fragen könnte, sind nicht bekannt. Auch hier steht das Vereinsgebahren im Vordergrund, nicht das Privatleben einer einzelnen Person. Die Fotos dürfen verwendet werden. Sicherheitshalber überprüfen, ob Sie die Fotos verwenden müssen, um einen historischen Sachverhalt darzustellen = OK. Wenn ein ergänzender Text darauf hinweist, umso  besser.  Anderenfalls  sollte auf das Foto verzichtet werden.

Es darf jedenfalls nie ein Foto von einem Menschen veröffentlicht werden, das diesen gewollt negativ darstellt (§ 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar).

Vergattern Sie bitte Ihre Chormitglieder, sorgfältig mit der Auswahl der Fotoobjekte zu sein. Der Schutz der personenbezogenen Daten hat Vorrang vor dem vermeintlichen „Schnappschuss“.

 

Fotos löschen

Der Einzelne hat das Recht, ein Foto, auf dem er ungewollt zu sehen ist, löschen zu lassen. Dabei können die Gründe subjektiv sein (Äußerlichkeiten wie Haare, Bekleidung, Körperhaltung, Blick usw. sind vermeintlich ungünstig) als auch objektiv: die Person möchte nicht, dass ihre Anwesenheit durch das Foto dokumentiert wird.

Müssen Sie Fotos / Grafiken löschen, gelten sie erst dann als gelöscht, wenn sie nicht nur von der Homepage sondern auch auf dem Server gelöscht wurden.

 

Texte

Für Texte gilt sinngemäß das Gleiche wie für Fotos. Sie dürfen Einzelpersonen nur benennen, wenn Sie deren Zustimmung (idealerweise schriftlich) zumindest glaubhaft (Zeugen) nachweisen können.

Man darf keine Texte abschreiben oder Zeitungsberichte 1 : 1 übernehmen (selbst wenn der Ursprungstext von einem selber stammt), ohne die Erlaubnis/ Nutzungserklärung des Urhebers / der Redaktion (Druckbild, Layout) einzuholen (möglichst schriftlich, z.B. per E-Mail). Geben Sie dazu an, wo und wie lange Sie die Erlaubnis verwenden wollen.

 

Videos

Für Videos gilt sinngemäß das Gleiche wie für Fotos. Videos auf Youtube: in „erweitertem Datenschutzmodus“ einbetten: Video bei Youtube öffnen, Button „teilen“ anklicken, dann „einbetten“, dann „erweitert“ anhaken.

 

Im Mai 2018, Ferdinand Emmrich.